Gleich vorab: Neue Trends zeichnen sich nicht wirklich ab, eher die Erweiterung derer, die sich bisher durchgesetzt haben. Allen voran der Megatrend Natur und Handwerk, der sich in Farben, Formen, Verarbeitung und Materialien bei nahezu allen Ausstellern wiederspiegelt. Auch die Teilnehmer des Salone Satellite 2014 - dem Nachwuchsdesignerbereich der Messe - haben diesen Trendnagel voll auf den Kopf getroffen. Was uns schon die letzten Monate immer öfter begegnet ist, wird nun verfeinert, erweitert und perfektioniert: Marmor, Kupfer, Rauchglas und Geflochtenes. Die wenigsten Designer verfallen dabei dem Prunk und Kitsch, die Meisten schreien nach Einfachheit und Schlichtheit. Das wirkt herrlich unaufgeregt, aber trotzdem vermisste man in Mailand etwas den WOW-Effekt.

Beinahe alles plätscherte sanft in pastelligen, ruhigen Farben vor sich hin. Beschreibt man die angesagtesten Farben der Messe, hört sich das wahrscheinlich an wie die Zutaten für einen Obstsalat oder Sorbet: Aprikose, Pfirsich, Beeren (Radiant Orchid, Pantone 18-3224, ist die Farbe des Jahre 2014!), Marillen, Physalis, Mandarine, Papaya, Rosen, Karamell, Lavendel, Kandiszucker und ein Spritzer Zitrone.

Zu den fruchtigen, aber sehr pastelligen Tönen gesellen sich Schilfgrün, Blau, Bernstein, Sand, Holz und felsige Farben. Grau war sowieso in allen Nuancen als steter Begleiter vertreten. Unangefochten in allen Messehallen: Rosa, gefolgt von Pfirsich, Petrol und Grüntönen.
Und man möge es kaum glauben, aber Terrakotta ist nach seinem Revival in 2013 auch dieses Jahr wieder zu sichten.

Alles in allem werden die Pastelltöne immer selbstbewusster; vor 1-2 Jahren nur in Accessoires vertreten, erobern sie seit einer Weile selbstbewusst auch ganze Sofas und Teppiche.

Es hört sich vielleicht alles nach viel zu vielen Farben an, das ist aber gar nicht der Fall. Denn am Ende fügt sich alles zu einem harmonischen Gesamtbild und sieht nach „Friede, Freude, Eierkuchen" aus.

Hier nun die vier Trends der Mailänder Möbelmesse:

+++ TREND TRANSPARENZ +++

Den Durchblick hatte man im wahrsten Sinne des Wortes bei vielen Ausstellern. Transparenz in Form von Glas und Kunststoff. Bei Letzterem ist sicherlich das italienische Urgestein Kartell Experte und wartet mit einer Vielzahl an transparenten Stücken auf. Besonders beeindruckend sind die Möbel und Geschirrserien, die wie edles Kristall anmuten, so wie auch die Serie Crystal von Koziol.
Gelungen sind die Kombinationen mit anderen Materialien wie Metall, Stein und Kork. Vor allem bei den Leuchten sah man in Mailand oft diese harmonischen Kontraste.

+++ TREND METALL +++

Gold und Silber werden immer beliebter, kommen aber bei weitem nicht an das so heiß geliebte Kupfer heran. Leuchten, Vasen, Accessoires, Tische und Stuhlgestelle strahlen in dem warmen Metall. Die metallischen Oberflächen sind dabei meistens auf Hochglanz poliert. Kartell verpasst erprobten Stücken, wie den Componibilie Containern oder den FLY Pendelleuchten eine neuen Look mit Metallfinish.
Besonders auffällig ist der häufige Einsatz von gelochtem Metall für Leuchten und Beistelltische. Letztere sind die heimlichen Stars der Messe. Sie machen einfach jedes Interior komplett, sind praktisch und können auf einfache Art und Weise jeden Look aufwerten und ihm das gewisse Extra geben. Am besten man arrangiert sie als Paar oder zu dritt, wenn es der Platz erlaubt. Auffällig auch: Metallgestelle umschmeicheln die oft so schweren Sitzmöbel. Sofas und Sessel erhalten dadurch eine Leichtigkeit und Ehrlichkeit, weil sie zeigen wie sie funktionieren und wie sie die, neuerdings dünneren, Polster tragen.

+++ TREND STEIN +++

Zu dem in den vergangenen Monaten so dominanten weißem Carrara Marmor gesellen sich mittlerweile auch andere Marmorsorten wie Nero Marquina (schwarz), Grey Bardiglio (grau) und Verde Vaneeka (grün). Das luxuriöse Gestein macht nur in Badezimmern und auf Böden etwas her, sondern hält sogar Einzug in unsere Küchenschubladen. Kombiniert werden die schweren Teile oft mit pulverbeschichtetem Metall oder hellen Hölzern wie Esche, Ahorn, Birke oder Eiche. Ob als Tisch, Schneidebrett oder hübsches Accessoire – auch dieser Trend wird immer größer und bestimmt so langlebig wie das Material selbst. Aber auch Beton hält sich nun schon seit Jahren im Design, was sicher auch so bleiben wird.

+++ TREND HANDWERK +++

Von Hand gefertigte Dinge stehen für Tradition, Einzigartigkeit und Qualität. Warum mögen die Menschen solche Dinge? Weil es das Bedürfnis nach guten Dingen zu befriedigen gilt. Es ist schön, etwas zu kaufen, von dem man weiß, woher es kommt, dass es vielleicht umweltbewusst hergestellt wurde und dass es in (hoffentlich liebevoller) Handarbeit entstanden ist. Das tritt all der zunehmenden Automatisierung und Anonymität im Alltag entgegen. Und das ist auch der Grund warum das Do-It-Yourself Phänomen so boomt.
Ob handbestickte Kissen und Teppiche, handgeflochtene Sitzmöbel oder gestrickte Lampenschirme – in Mailand gab es wundervolles und beeindruckendes Handwerk zu sehen. Vor allem Casamania und Dedon überzeugen in diesem Trend am meisten in puncto Design, Nachhaltigkeit und Verarbeitung. Trend mag man es gar nicht nennen, denn diese „Bewegung" besteht schon eine Weile und wird sicher immer bestehen bleiben.

Zum Thema (Zimmer-)Pflanzen:
Philodendronblätter sind 2014 also definitiv das It-Piece für Vasen. Die exotischen Pflanzen waren auf der Mailänder Messe, neben japanischem Ahorn, überall zu sehen. Star-Designerin Patricia Urquiola ließ sich von diesen Blättern wohl auch zu dem ein oder anderen Entwurf inspirieren.

Kristina Markovics Tendenz für die Zukunft:
Dschungel, Jeansblau, Rattan, mit einem Tupfer Korallenrot, Zitronengelb oder Türkis. Stein bleibt uns lange erhalten. Die Sehnsucht nach Schlichtheit, Genügsamkeit bleibt ungebrochen. Die Formen bleiben also schlicht, mal archaisch, mal filigran, aber immer durchdacht. Handwerk darf und soll gesehen werden, was dem Trend nach Do-It-Yourself entgegen kommt.

Quellennachweis Fotos: Kristina Markovic, Copyrights e15: Cut Outs: Martin Url. Mood: Ingmar Kurth Danke an Kartell, e15, Pulpo, MDF Italia, Zanotta, Casamania, Vitra, Noramann Copenhagen, Diesel, Lammhults, Iitalla für die Presskits und das Bildmaterial.