Die Zeit des hässlichen Entchens ist vorbei. Die Tage des bisher wenig ansehnlichen Gelände an der Brüder-Grimm-Straße sind wohl gezählt. In seiner jüngsten Sitzung am Montag hat der Magistrat einer modernen zeitgemäßen Bebauung den Weg geebnet und den Aufstellungsbeschluss für einen Vorhabenbezogenen Bebauungsplan gefasst. „Das vorliegende Konzept für das frühere Bahngelände ist überzeugend und lässt nicht nur einen Schandfleck am Stadtrand verschwinden, sondern schafft außerdem neuen Wohnraum“, freut sich Oberbürgermeister Claus Kaminsky und erinnert daran, dass die Schaffung von Wohnungen in der gesamten Rhein-Main-Region hohe Priorität genießt, um der steigenden Nachfrage Herr zu werden. Die Stadtverordnetenversammlung wird sich in ihrer nächsten Sitzung am 6. November damit befassen.
Wie der OB erläutert, ist der Vorhabenträger ein Marburger Investor, der auf dem rund 14.000 Quadratmeter großen Gelände 190 Ein- bis Vierzimmer-Wohnungen errichten will. Dabei seien allen Beteiligten die besonderen Herausforderungen, die sich unter anderem auch aus der Nähe zur Bahnlinie ergeben, bewusst und in den Planungen berücksichtigt. „Es wurden zu Aspekten des Schallschutzes, des Artenschutzes und zu Schutzzielen nach der Seveso-III-Richtlinie bereits mehrere gutachterliche Einschätzungen eingeholt und Voruntersuchungen durchgeführt, auf deren Basis wir zu dem Ergebnis gekommen sind, dass die Fläche grundsätzlich für die vorgelegten Pläne geeignet ist“, so OB Kaminsky und ergänzt, dass damit die Voraussetzungen für den Aufstellungsbeschluss gegeben seien. „Im Rahmen des Verfahrens werden aber weitere Fragen zu klären sein, unter anderem die Verkehrs- und Parksituation der benachbarten Ludwig-Geißler-Schule, die Anpassung des überörtlichen Radwegs oder auch denkmalschutzrechtliche Belange im Zusammenhang mit der denkmalgeschützten Zeichenakademie.“

Die „S+S Grundbesitz GmbH“ als Vorhabenträger will auf dem langgestreckten Areal insgesamt drei Gebäude errichten. Der Schwerpunkt des geplanten Wohnungsmix liegt auf kleinen Appartements, es werden aber auch größere Wohnungen für Familien entstehen. Das größte der drei Häuser wird sich quer über das gesamte Grundstück erstrecken, um einerseits einen städtebaulichen Abschluss zu dem dahinterliegenden Gewerbegebiet sowie den Gleisanlagen zu bilden. Gleichzeitig wirkt der Gebäuderiegel als Schallschutz gegenüber der Bahnanlagen. Dieser erhält ein zusätzliches Staffelgeschoss, während die beiden davorliegenden Gebäude nur viergeschossig vorgesehen sind. Insgesamt bleiben die Gebäudehöhen unter der Traufe der gegenüberliegenden Zeichenakademie.
Die notwendigen Parkplätze sollen insgesamt in einem Parkdeck sowie durch Außenstellplätze bereitgestellt werden. Aufgrund der angestrebten Nutzer und Zielgruppe der Wohnanlage sowie der guten ÖPNV-Anbindung wird ein Stellplatzschlüssel von 1:1 zugrunde gelegt. „Damit weichen wir zwar von unserer Stellplatzsatzung ab. Mit Blick auf die Appartementgröße und die erwartete Belegung mit Ein-Personen-Haushalten ist dies aber durchaus angemessen“, erläutert Stadtrat Thomas Morlock als der zuständige Dezernent diesen Aspekt des Projektes.
Das Projekt füge sich hervorragend in die „innenstattaußen“-Strategie der Stadt Hanau ein, die zum Ziel habe, bisher ungenutzte Potenziale innerhalb des Stadtgebiets aufzuspüren, um sie einer adäquaten Verwertung zuzuführen, macht Oberbürgermeister Kaminsky deutlich, dass sich die Stadt über die deutliche Aufwertung des Quartiers durch die jetzt auf den Weg gebrachte Planung freut. Derzeit befinden sich auf der Fläche drei Bestandsgebäude, die überwiegend von einer Busgesellschaft als Werkstatthalle und Busdepot genutzt werden. Die Freiflächen sind weitestgehend mit Beton und Asphalt versiegelt. Die künftige Nutzung, wie sie die Konzeption des Investors vorsieht, will das bisher als wenig attraktiv wahrgenommene Areal städteräumlich mit den Bestandsstrukturen im Umfeld verknüpfen und den vorhandenen Baumbestand mit weiterem Grün im Quartier ergänzen.

Pressemitteilung von Dienstag, 24. Oktober 2017