Seit Mai sucht der Lahn-Dill-Kreis als Eigentümer des Grundstücks einen Käufer für die 2016 endgültig geschlossene Grundschule. Aufgegeben wurde die seitdem leer stehende Erk-Schule wegen Mängeln in der Standsicherheit infolge eines Grundbruchs im Keller des alten Hauptgebäudes. Verkauft wird eine Teilfläche von rund 7200 Quadratmetern mit dem Schulgebäude und einem Nebengebäude darauf. Dort sollen Wohnungen entstehen. Mehrheitlich hatten die Wetzlarer Stadtverordneten im Mai die Änderung des Bebauungsplans beschlossen und damit das Schuldgelände in Wohnbauland verwandelt. Zugelassen sind zweigeschossige Ein- bis Zweifamilienhäuser sowie am jetzigen Standort des Hauptgebäudes mehrere dreigeschossige Mehrfamilienhäuser. Das marode Hauptgebäude soll abgerissen werden. Die Turnhalle, die weiter genutzt wird, soll an die Stadt Wetzlar veräußert werden, ebenso knapp 9000 zusätzliche Quadtratmeter Schulgelände im hinteren Bereich. Zu dem Schulverkauf wollte sich der Erste Kreisbeigeordnete Heinz Schreiber (Grüne) im Vorfeld nicht äußern. Die Entscheidung darüber liege beim Kreistag, die Sitzung findet am 06. November statt. Aus der Vorlage für die Ausschüsse geht hervor, dass sich der Kreisausschuss auf die S+S Grundbesitz GmbH als "Bestbietende" geeinigt hat. Über deren Konzept ist öffentlich nichts bekannt.

Für den Kreis ist nicht das Konzept, sondern allein die Höhe des Kaufpreises ausschlaggebend.
Die Firma für Projektentwicklung, Verkauf, Vermietung, Vermittlung und Verwaltung wirbt auf Ihrer Internetseite mit diversen Wohn-Großprojekten vorrangig in Marburg als Referenzen. Die Quadratmeterpreise für Eigentumswohnungen liegen dort in den allermeisten Fällen jenseits der 3.000-Euro-Marke. Bei der Wahl der S+S Grundbesitz GmbH dürfte für den Lahn-Dill-Kreis allein der Kaufpreis und nicht das Konzept entscheidend gewesen sein. Der Erlös wurde im Vorfeld zweckgebunden, er soll bei der Finanzierung des neuen Schulzentrums helfen. Da es sich um öffentliche Mittel handelt, würde sich der Kreis vermutlich des Verdachts der Untreue schuldig machen, sollte er ein niedrigeres Angebot annehmen. Wohl deshalb kommt der Verein Sonnensprossen nicht zum Zuge, dessen Konzept vom gemeinschaftichen Wohnen auf viel Sympathien in Wetzlar gestoßen war. Nach dem Modell einer Genossenschaft oder eines Mietshäuser-Syndikats haben die 25 Mitglieder 50 kostengünstige Wohnungen und den Erhalt des alten Schulgebäudes vorgesehen. Die Stadt Wetzlar sei eng in das Auswahlverfahren eingebunden worden, heißt es in der Ausschussvorlage. Bürgermeister Harald Semler (FW) bezeichnete auf Nachfrage das Konzept der S+S Grundbesitz GmbH als vernünftig, es entspreche sowohl dem Interesse der Stadt an Innenraumverdichtung als auch den Vorlagen des Bebauungsplans. Davon abgesehen habe die Stadt das Auswahlverfahren lediglich begleiten, aber keinen Einfluss nehmen können. Um kostengünstiges Wohnen und sozialen Wohnungsbau kümmere sich die Stadt anderswo gemeinsam mit der Wetzlarer Wohnungsbaugesellschaft (WWG). 

 Quelle: Wetzlarer Neue Zeitung vom 24.10.2017